Der Jai Jagat Workshop vom 23. und 24.3.19 in Basel

Was nehme ich mit?

Ich habe mich an dem Wochenende entscheiden dürfen zwischen zwei Veranstaltungen: einem Treffen zum Wandel-Bündnis in einer Gemeinschaft in Thüringen, von der mir schon jemand erzählt hatte oder dem auf dieser Plattform angekündigten Workshop Jai Jagat mit dem Inder Rajagopal und die Kanadierin Jill Carr-Harris in Basel. Ersteres wäre ungefähr fünfhundert Kilometer weit weg gewesen, letzteres an die fünfundzwanzig. Also entschied ich mich für letzteres. Da es so viele interessante Treffen gibt und ich immer schade finde, wenn man/frau nicht dabei war, dass man/frau überhaupt nichts im Nachhinein davon erfährt, möchte ich hier mal meine ganz persönlichen Impressionen von dem Workshop wiedergeben für alle, die es interessiert und die nicht da waren.

Nachdem sich die Menschen, die gekommen waren kurz vorgestellt hatten, erzählte Rajagopal von der Geschichte der Gewaltlosigkeit in Indien, die schon eine lange Tradition hat. Der erste, der Gewaltlosigkeit verkündete und lebte war Buddha.

„Zu Zeiten Buddhas in Indien gingen die Mönche am Morgen zu einem Haus und fragten nach etwas zu Essen. Sie nahmen das, was ihnen gegeben wurde und aßen davon. Wenn ihnen nichts gegeben wurde in dem Haus, bei dem sie waren, dann aßen sie nichts. So war das früher. Jetzt hat sich das geändert und die Mönche ziehen weiter und fragen bei anderen Häusern, aber zu Zeiten Buddhas war das so. Und so ging Buddha zu einem Reichen und fragte nach etwas zu Essen. Der Reiche mochte es gar nicht, am Morgen einen armen Menschen zu treffen, der ihn belästigte.

‚Hören Sie doch mit dem Betteln auf und gehen Arbeiten‘, antwortete der Reiche. ‚Ich gebe Ihnen nichts.‘

Er dachte, der Mönch würde daraufhin gehen, aber Buddha ging nicht. Es wiederholte sich mehrere Male und der Reiche hoffte, er würde den Mönch nun loswerden, aber er blieb einfach und ließ nicht nicht stören. Da dachte der Reiche, es müsse irgendetwas besonderes mit diesem Mensch sein und fiel vor ihm nieder. ‚Was ist mit dir, dass Du auf meine Beschimpfungen nicht reagierst? Da stellte ihm der Buddha eine Frage: ‚Wenn du jemandem eine Kuh schenkst und der andere nimmt die Kuh nicht an, wem gehört dann die Kuh?‘ Der Reiche sagte: ‚Noch dem Geber.‘

‚Ja, und genauso ist es mit den Beschimpfungen.’…

Der nächste, der in Indien Gewaltfreiheit propagierte war Mahavir mit der Jain-Religion. Und dann noch Gandhi, der es schaffte mit dem Prinzip der Gewaltfreiheit ganz Indien von den Engländern zu befreien.

Aber auch innerhalb des Landes wurden mittels der Gewaltfreiheit große Erfolge erzielt. Zum Beispiel bei den Banditen, die es gab und die ihre Waffen durch den Kontakt mit der gewaltfreien Bewegung abgaben. Es kam sogar zur Versöhnung zwischen Tätern und Opfern dadurch, dass Arbeit mit den Beteiligten auf beiden Seiten mit den Insassen im Gefängnis und deren Opfern durchgeführt wurden. Es braucht auf jeden Fall mindestens eine Person an einem Ort, um gewaltfreie Aktion hervorzurufen. In Indien wurden viele junge Leute von Rajagopal ausgebildet, um gewaltfrei an ihren Orten zu wirken. Viele Dörfer haben sich daraufhin auf den Weg gemacht, ihre Probleme selbst in die Hand zu nehmen und zu lösen. Es geht darum, zu handeln anstatt sich hinzusetzen und sich zu beschweren. Man kann unterscheiden zwischen direkter und indirekter Gewalt, während sehr viel indirekte Gewalt in der Gesellschaft verbreitet ist.

Dabei gibt es Gewaltfreiheit im Denken (da fängt es an), in den Worten und im Handeln. Gewalt im Denken führt zu Gewalt in den Worten und im Handeln. Das Ende des Dialogs ist der Anfang von Gewalt. Die Unfähigkeit, richtig miteinander zu kommunizieren ist ein großes Problem in der Welt. Normal wird in der Gesellschaft Feuer mit Feuer beantwortet, das heißt, wenn es ein Problem mit Gewalt gibt, dann wird es mit Gewalt beantwortet. Der natürliche Weg jedoch wäre, Wasser aufs Feuer zu schütten. Gewaltfreiheit ist wie Wasser bei einem Konflikt.

Die Waffenlobby propagiert Gewalt. Deshalb wäre wichtig, eine Lobby der Gewaltfreiheit zu gründen und ständig Gewaltfreiheit zu propagieren. Auch im Erziehungswesen ist die Gewalt sehr weit verbreitet, denn eine große Lobby verbreitet Gewalt. Frieden hat für viele keinen großen Wert. Wichtig wäre jedoch, Dialoggruppen zu gründen statt der Polizei. “Ihr könntet ja Basel zu einer gewaltfreien Stadt machen“, schlug Rajagopal vor.

Am zweiten Tag erfuhren wir etwas von der Bekräftigung der Frauen. In Indien werden 95% der Ehen noch von den Eltern arrangiert. Deshalb ist die Familie der größte Rückhalt der Frauen und es wird bei der Arbeit zu ihrer Bekräftigung (Empowerment) darauf geachtet, dass der familiäre Rahmen erhalten bleibt. Eine Frau allein kann nichts tun, aber in der Gruppe sieht das schon ganz anders aus. Sie werden stärker. Uns wurden Beispiele von unterdrückten Frauen gezeigt, die sich sogar zu gewaltfreien Leaderinnen entwickelt hatten. Der erste Schritt dabei ist, die Frauen zusammen zu bringen, wobei die eigene Motivation der Frauen zählt. Die Märsche von Rajagopal sind ein Zeichen für sozialen Wandel. Autonome persönliche Akte werden über das Finden von Lösungen für Probleme zu autonomen Gruppenaktionen. „Wir müssen lernen, in autonomen Gemeinschaften zu leben, die sozialen Wandel hervorrufen,“ sagte Jill Carr-Harris. “Wir müssen lernen mit dem Konflikten umzugehen, denn wenn da keine Transformation innerhalb der Menschen stattfindet, dann kommt das gleiche Problem wieder auf.“ Es wird unterschieden zwischen aktiver und passiver Gewaltfreiheit.

„Zwischen Stille und Gewalt ist aktive Gewaltfreiheit.“ Jai Jagat meint, alle Menschen als Teile einer universellen Familie anzusehen, wobei sie den größten Randgruppen einen zentralen Platz einräumen. Wie Mahatma Gandhi sagte: „Sei die Veränderung, die du sehen willst in der Welt.“

Wenn da kein Dialog ist, sondern nur Aufgaben, dann ist Kampf berechtigt für etwas, das ungerecht ist. Es geht dabei um drei Teile von Jai Jagat:

  • Die Menschen rund um die Gewaltlosigkeit zusammenbringen
  • mit UN Institutionen und finanziellen Institutionen zu sprechen
  • die beste Anwendungen auf einer globalen Plattform zusammenbringen.

Beim Marsch, der nach Gandhis Geburtstag am 2. Oktober von New Delhi aus losgehen soll, werden 50 – 70 fitte junge Inder mitgehen. Drei Wochen lang wird er durch die Schweiz gehen mit einem Empfang für acht Tage mit Veranstaltungen in Genf.

Am Ende wies Rajagopal auf die Wichtigkeit von Demut hin. Die Leaders in der Gewaltfreiheit handelten eher nach dem Prinzip von „Demut und mehr Demut und höchste Demut“ während normal oft nach dem Prinzip „Aggression, mehr Aggression, die größte Aggression“ gehandelt wird. Die abschließende Frage war: wie können wir das Gute in der Gesellschaft verbreiten?

Ich selbst habe zu diesem Anlass, weil die Beiden kein deutsch sprechen ein Gedicht auf englisch geschrieben und es auch in der Kleingruppe, die wir gebildet hatten, um über ein Visionsstatement zu sprechen verteilt. Auf der nächsten Seite I wish myself another world findet Ihr es .

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